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Literaturgeschichtsschreibung ist mit dem Aufkommen der modernen Nationalstaaten verknüpft, eine "erfundene" Engführung, die das 20. Jahrhundert katastrophisch zuspitzte und deren Geltung heute zunehmend verblasst. Für die Geschichtsschreibung jüdischer Literatur galt es aufgrund der transnationalen, diasporischen Lebenswelten der Juden schon immer, verschiedenen Sprach- und Symbolräumen, Raum- und Zeitvorstellungen gerecht zu werden. Susanne Zepp und Natasha Gordinsky interpretieren Texte der zeitgenössischen Literatur - u.a. von Yoel Hoffmann und Ljudmila Ulitzkaja -, die die Komplexität jüdischer Zugehörigkeit literarisieren. Literatur wird nicht als Kanon, sondern als Diskurs verstanden und somit als Medium, das Grenzziehungen nationaler, religiöser und kultureller Art durchlässig macht.