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Wenn Korruptionsskandale zum festen Bestandteil der politischen Berichterstattung werden, wissenschaftliche Indizes regelmäßig alarmierende Werte ausweisen und politische Auseinandersetzungen fast reflexhaft mit Korruptionsvorwürfen geführt werden, prägt dies das Bild eines Staates nachhaltig. Doch was entsteht aus einer solchen Dauerpräsenz des Korruptionsthemas? Welche Vorstellungen von Staatlichkeit bilden sich daraus - und welche Erwartungen entwickeln Bürgerinnen und Bürger an die Möglichkeiten, staatliches Handeln zu beeinflussen? In der Konsequenz unterscheiden sich auch die Staatsverständnisse selbst innerhalb der Europäischen Union erheblich. Besonders prägend ist dabei das Ausmaß informeller Möglichkeiten, bisweilen sogar Notwendigkeiten, Staatshandeln zu beeinflussen. Da Individuen biografisch an einen konkreten Staat gebunden sind, können sie sich dessen Spielregeln kaum entziehen. Stattdessen lernen sie, sich innerhalb dieser Regeln zu bewegen - auch dort, wo sie informelle Strategien einschließen. Diese reichen von der beiläufigen Erwähnung gemeinsamer Kontakte bis hin zur offenen Schmiergeldzahlung und gelten je nach Kontext als selbstverständlich, sanktionslos oder sogar erwartet. Die hier erstmals programmatisch entwickelte Staatskulturforschung untersucht am Beispiel Kroatiens diese Bandbreite informeller Praktiken und ihre Einbettung in gesellschaftliche Deutungsmuster. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Humor: Witze, Satire und Ironie erweisen sich als zentraler Zugang, über den Korruption im Alltag kommuniziert, verarbeitet und kritisiert wird.
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